Hier einige Gedichte von Menschen, die mit ihren Worten andere Menschen bewegen....  

 

Sternenkind

 

Sternenkind, nun liegst du im Staub-

deine Kindheit - sie haben sie dir geraubt.

 

Deine Mutter vergast,

dein Vater erschossen,

wie Helden standen die Täter daneben und

haben's genossen,

 

euch sterben zu sehn auf dem rauhen Sand

"Ihr seid Verräter unseres Vaterlands"

 

Deine Tränen vergossen,

Deine Schreie verstummt

 

Ich habe versagt,

konnte dich nicht retten,

 

als du in deinem eigenen Blut lagst,

die Hände in Ketten.

 

Leise Worte drangen aus deinem Mund:

"Ihr habt es gesehn,

und sie trotzdem vergessen,

die Taten, an denen sie

ihre Kräfte gemessen."

 

Und du blicktest mich an mit diesem

angsterfüllten Blick,

und schon traf diese Kugel

dich ins Genick.

 

Ein letzter Schrei in der kalten Nacht -

wie oft hat dieser Schrei mich

um den Schlaf gebracht.

 

Sternenkind, dein Leben war

noch nicht gelebt.

Die Menschen vergaßen

die schwere Zeit, die ihr habt durchlebt.

 

Ich aber werde für dich weinen

und eines Tages wird uns der Himmel vereinen
Emilie T.

 

Berthold Brecht:

Der, den ich liebe

Hat mir gesagt

Dass er mich braucht.

 

Darum

Gebe ich auf mich acht

Sehe auf meinen Weg und

Fürchte von jedem Regentropfen

Dass er mich erschlagen könnte.

 

Erich Fried:

Fragen nach den Menschen

 

Und wurde die Liebe gelehrt?

Ja, aber schlecht und heimlich.

Und wurde der Tod gelehrt?

Ja, aber nur zum Teil.

 

Wieso zum Teil?

Es wurde nur Töten gelehrt,

gelehrt und geübt,

und das Sterben totgeschwiegen.

 

Und wurde der Haß gelehrt?

Ja. Gelehrt und geschürt, aber nur

auf den, der Feind genannt wurde,

und nicht auf das eigene Unglück.

 

Und was taten sie mit ihrem Leben?

Fast alle nur das,

was zu erwarten war,

nach einer solchen Lehrzeit.

 

Was es ist

Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

Es ist nichts als Schmerz

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Friedrich Hebbel:

 

An den Tod

 

Halb aus dem Schlummer erwacht,

den ich traumlos getrunken,

Ach, wie war ich versunken

In die unendliche Nacht!

 

Tiefes Verdämmern des Seins,

Denkend nichts, noch empfindend!

Nichtig mir selber entschwindend,

Schatte mit Schatten zu eins!

 

Da beschlich mich so bang,

Ob auch, den Bruder verdrängend,

Geist mir und Sinne verengend,

Listig der Tod mich umschlang.

 

Schaudernd dacht ichs, und fuhr

Auf, und schloss mich ans Leben,

Drängte in glühndem Erheben

Kühn mich an Gott und Natur.

 

Siehe, da hab ich gelebt:

Was sonst, zu Tropfen zerflossen,

Langsam und karg sich ergossen,

Hat mich auf einmal durchbebt

 

Oft noch berührest du mich,

Tod, wenn ich in mir zerrinne,

Bis ich mich wieder gewinne

Durch den Gedanken an dich!

 

Herman Hesse:

 

Welkende Rosen

 

Möchten vielen Seelen dies verstehen,

Möchten viele Liebende es lernen:

So melodisch flüsternd zu verhallen,

So im Traumel auseinander wehen,

So in rosiges Blätterspiel zerfallen,

Lächelnd sich vom Liebesmahl entfernen,

So den eigenen Tod als Fest begehen,

So gelöst dem Leiblichen entsinken

Und in einem Kuß den Tod zu trinken.

 

Doch heimlich dürsten wir ...

 

Anmutig, geistig, arabeskenzart

Scheint unser Leben sich wie das von Feen

In sanften Tänzen um das Nichts zu drehen,

Dem wir geopfert Sein und Gegenwart.

 

Schönheit der Träume, holde Spielerei,

So hingehaucht, so reinlich abgestimmt,

Tief unter deiner heitern Fläche glimmt

Sehnsucht nach Nacht, nach Blut, nach Barbarei.

 

Im Leeren dreht sich, ohne Zwang und Not,

Frei unser Leben, stets zum Spiel bereit,

Doch heimlich dürsten wir nach Wirklichkeit,

Nach Zeugung und Geburt, nach Leid und Tod.

 

Heinrich Heine:

 

Mein Herz ist traurig

 

Mein Herz, mein Herz ist traurig,

Doch lustig leuchtet der Mai;

Ich stehe, gelehnt an der Linde,

Hoch auf der alten Bastei.

 

Da drunten fließt der blaue

Stadtgraben in stiller Ruh;

Ein Knabe fährt im Kahne,

Und angelt und pfeift dazu.

 

Jenseits erheben sich freundlich,

In winziger, bunter Gestalt,

Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,

Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

 

Die Mägde bleichen Wäsche,

Und springen im Gras herum;

Das Mühlrad stäubt Diamanten,

Ich höre sein fernes Gesumm.

 

Am alten grauen Turme

Ein Schilderhäuschen steht;

Ein rotgeröckter Bursche

Dort auf und nieder geht.

 

Er spielt mit seiner Flinte,

Die funkelt im Sonnenrot,

Er präsentiert und schultert -

Ich wollt, er schösse mich tot.

 

J.W.Goethe:

  

Wandrers Nachtlied

 

Der du von dem Himmel bist,

Alles Leid und Schmerzen stillest,

Den, der doppelt elend ist,

Doppelt mit Erquickung füllest,

Ach, ich bin des Treibens müde!

Was soll all der Schmerz und Lust?

Süßer Friede,

Komm, ach komm in meine Brust!

 

Wehmut

 

Ihr verblühet, süße Rosen,

Meine Liebe trug euch nicht;

Blühet, ach! dem Hoffnungslosen,

Dem der Gram die Seele bricht.

 

Jener Tage denk' ich trauernd,

Als ich, Engel, an dir hing,

Auf das erste Knöspchen lauernd,

Früh zu meinem Garten ging;

 

Alle Blüten, alle Früchte

Noch zu deinen Füßen trug,

Und vor deinem Angesichte

Hoffnung in dem Herzen schlug.

 

Ihr verblühet, süße Rosen,

Meine Liebe trug euch nicht;

Blühet, ach! dem Hoffnungslosen,

Dem der Gram die Seele bricht.

 

Ludwig Tieck:

 

Trennung

 

Muß es eine Trennung geben,

Die das treue Herz zerbricht?

Nein, dies nenne ich nicht leben,

Sterben ist so bitter nicht.

 

Hör' ich eines Schäfers Flöte,

Härme ich mich inniglich,

Seh ich in die Abendröthe,

Denk ich brünstiglich an dich.

 

Giebt es denn kein wahres Leben?

Muß denn Schmerz und Trauer seyn?

Wär ich ungeliebt geblieben,

Hätt' ich doch noch Hoffnungsschein.

 

Aber so muß ich nun klagen:

Wo ist die Hoffnung, als das Grab?

Fern muß ich mein Elend tragen,

Heimlich stirbt das Herz mir ab.

 

Ludwig Uhland:

 

Entschluß

 

Sie kommt in diese stillen Gründe,

Ich wag' es heut mit kühnem Mut.

Was soll ich beben vor dem Kinde,

das niemand was zu Leide tut?

 

Es grüßen alle sie so gerne,

Ich geh vorbei und wag es nicht;

Und zu dem allerschönsten Sterne

Erheb' ich nie mein Angesicht.

 

DieBlumen,die nach ihr sich beugen,

Die Vögel mit dem Lustgesang,

Sie dürfen Liebe ihr bezeugen:

Warum ist mir allein so bang?

 

Dem Himmel hab' ich oft geklaget

In langen Nächten bitterlich;

Und habe nie vor ihr gewaget

Das eine Wort: Ich liebe dich!

 

Ich will mich lagern unterm Baume,

Da wandelt täglich sie vorbei;

Dann will ich reden als im Traume,

Wie sie mein süßes Leben sei.

 

Ich will- owehe! welches Schrecken!

Sie kommt heran, sie wird mich sehn;

Ich will mich in den Busch verstecken,

Da seh' ich sie vorübergehn.

 

Theodor Storm:

 

Trost

 

So komme, was da kommen mag!

Solang du lebest, ist es Tag.

 

Und geht es in die Welt hinaus,

Wo du mir bist, bin ich zu Haus.

 

Ich seh dein liebes Angesicht,

Ich sehe die Schatten der Zukunft nicht

 

Einer Toten

 

Das aber kann ich nicht ertragen,

Dass so wie sonst die Sonne lacht;

Dass wie in deinen Lebenstagen

Die Uhren gehen, die Glocken schlagen,

Einförmig wechseln Tag und Nacht;

 

Dass wenn des Tages Lichter schwanden,

Wie sonst der Abend uns vereint;

Und dass, wo sonst dein Stuhl gestanden,

Schon andre ihre Plätze fanden,

Und nichts dich zu vermissen scheint;

 

Indessen von den Gitterstäben

Die Mondesstreifen schmal und karg

In deine Gruft hinunterweben,

Und mit gespenstig trübem Leben

Hinwandeln über deinen Sarg.

 

 

 

Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas.

(Christian orgenstern)

Wir kümmern uns nicht, dass wir nicht dagewesen sind,
ehe wir geboren wurden. Warum uns kümmern,
nicht mehr da zu sein, wenn wir gestorben sind?

(Karl Julius Weber)

Die einzige Möglichkeit, einen Traum
in seiner ganzen Schönheit zu erhalten, ist,
ihn nie zu verwirklichen.

(Amos Oz)

Es gibt Menschen, die unglücklich sind, unheilbar, bloss weil sie sind.

(Georg Büchner)

Leben ist der Anfang des Todes.

(Novalis)

Zustand des Glücks durch Auslöschen des Selbst.

(Nirvana)

Jeder Augenblick des Lebens ist ein Schritt dem Tod entgegen.

(Pierre Corneille)

Wievielen wird es noch der Mühe wert sein, zu leben,
sobald man nicht mehr stirbt.

(E. Canetti)

Der Tod ist die kühle Nacht,
Das Leben ist der schwüle Tag,
Es dunkelt schon, mich schläfert.

(Heinrich Heine)

Der Tod ist eine Selbstbesiegung,
die, wie alle Selbstüberwindung,
eine neue leichtere Existenz verschafft.

(Novalis)

Das Leben ist eine Krankheit,
die ganze Welt ein Lazarett,
und der Tod ist unser Arzt.

(Heinrich Heine)

Das Leben ist eine Komödie für den Denkenden,
eine Tragödie für die, welche fühlen.

(Hippokrates)

Wir sterben viele Tode, solange wir leben,
der letzte ist nicht der bitterste.

(Karl-Heinrich Waggerl)

Allein sein zu müssen ist das schwerste, allein sein zu können das schönste.

(Hans Krailslaimer)
K. Wild: "Wir hatten vor, die Welt zu verändern und haben nur uns selbst verändert."
Arthur: "Was ist daran falsch?"
Wid: "Nichts, wenn du die Welt nicht siehst."
(K. Wild)


"Von Zeit zu Zeit stolpern die Menschen über die Wahrheit, aber meistens rappeln sie sich auf und eilen weiter, als wäre nichts passiert."
Winston Churchill
"Ich habe gelebt, aber es war nicht mein Leben"
Autor unbekannt


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